Wiesn-Blaulicht, Tag 4

„Fangamandl“, Show-Boxkampf, Schnorrer-Ärger – und ein rekordverdächtiges Wiesn-Verbot

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Wiesn-Blaulicht (Archivbild)
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Wiesn-Blaulicht (Archivbild).
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Rosenheim – Der vierte Wiesn-Tag am Dienstag (30. August) war vom Wettergott malerisch arrangiert. Bei angenehmen Temperaturen strömten zahlreiche Besucher aufs Festgelände. Vor allem zu späterer Stunde überhitzten jedoch die Gemüter einiger „Gäste“ gehörig. Das Wiesn-Blaulicht von Tag 4:

Polizei erteilt klare „Regieanweisung“

Zunächst „verwechselten“ drei Jugendliche aus Rosenheim das Festgelände offensichtlich mit einem Spielplatz. Sie liefen um ein Fahrgeschäft herum und meinten, dass sie auf gut bayerisch „Fangamandl“ spielen müssen. Wenn keine anderen Besucher sich gestört fühlen, mag dies vielleicht in Ordnung sein, doch das Trio rempelte ständig andere Anwesende an. Beamte der Wiesnwache nahmen deshalb kurzzeitig am „Spiel“ teil und gewannen, denn die drei Akteure wurden allesamt „eingefangen“. Möglicherweise hatten die „Täter“ die Spurtschnelligkeit der Beamten etwas unterschätzt...

Ein Quintett von fünf anderen Jugendlichen meinte derweil, für „Unterhaltung“ sorgen zu müssen, indem sie auf dem Festgelände eine Art „Show-Boxkampf“ abhielten. Nach Polizeiangaben standen die fünf sich gegenüber und führten „filmreife Szenen“ mit Fußtritten und Faustschlägen durch. Die Polizei war mit den „Schauspielern“ und deren „Schauspielkunst“ jedoch nicht einverstanden und übernahm kurzerhand die Regie. Regieanweisungen gab es jedoch nur eine einzige: „Danke, Ende...“

Münchner (18) kommt nur zum Schlägern

Den Rekord für das vermutlich schnellste Wiesnverbot aller Zeiten hat jetzt wohl ein 18-jähriger Münchner inne. Der junge Mann fiel einer Polizeistreife schon beim Betreten des Festgeländes auf. Bereits hier schrie er lauthals herum, pöbelte und belästigte andere Besucher. Von der Wiesnwache darauf angesprochen, meinte der 18-Jährige nur, er könne nicht anders. Er sei immer aggressiv, suche Streit und die nächste Keilerei sei für ihn schon „vorprogrammiert“. Schließlich müsse man „seine Kraft ja mit anderen messen“, so seine Meinung gegenüber der Polizei. Die Beamten waren (logischerweise) völlig anderer Ansicht und zückten die Rote Karte für den Münchner – nur wenige Meter bzw. Minuten nach Betreten der Loretowiese.

Halb stolperten sie, halb fielen sie – dieses Motto galt am Abend für einen 28-jährigen Rosenheimer und sein Fahrrad. Ganz brav schob der junge Mann seinen Drahtesel neben dem Festgelände, zumal er für eine Fahrt sowieso viel zu betrunken gewesen wäre. Deswegen ergaben sich dann auch ernsthafte Schwierigkeiten: Beim Schieben verfing sich sein Bein im Rahmen und der Mann fiel über sein Gefährt in eine Wiese. Der 28-Jährige wurde versorgt, ein Alkoholtest ergab rund drei Promille. Den selben Wert wies auch ein 42-Jähriger aus Rosenheim auf, der beim Verlassen des Festgeländes über einen abgestellten Roller stürzte. Auch dieser Vorfall wurde von der Polizei dokumentiert.

„Schnorrerin“ (45) schafft satten Gratis-Rausch

„Durchschnorren“ wollte sich anscheinend eine 45-jährige Frau aus Rosenheim. Sie hatte dafür einen besonderen Plan: In einem Festzelt marschierte sie von Tisch zu Tisch, nahm dort jeweils einfach ein (alkoholisches) Getränk von anderen Gästen vom Biertisch und trank jeweils einen kräftigen Schluck. Das Ergebnis war ein satter Rausch in Höhe von 2,50 Promille. Die Frau wurde anschließend vom Festgelände verwiesen und torkelte zu Fuß nach Hause.

Diebstahl ist per se nicht erlaubt und keine gute Sache. Aber wenn man sich an ein Auto der Polizei anpirscht und dann eine angebaute Magnettafel mit der Aufschrift „Polizei“ klauen möchte, dann ist das – salopp ausgedrückt – doch etwas ungeschickt. So hat ein 18-Jähriger aus Poing (Landkreis Ebersberg) nun ein Verfahren wegen Diebstahls am Hals, nachdem er von den Beamten in flagranti erwischt wurde.

Boxkampf endet in „Hotel Polizei“

Am Ausgang Richtung Kaiserstraße flogen die Fäuste, als dort ein 22-jähriger und ein 16-jähriger Rosenheimer aneinander geraten waren. Nach einem eskalierten Wortgefecht schlugen die beiden munter aufeinander ein, bis die Wiesnwache dazwischen ging und den „Kampf“ beendete. Da der 22-Jährige weiter aggressiv war, mussten ihm sogar Handschellen angelegt werden. Da auch damit keine Besserung eintrat, musste er im „Hotel Polizei“ in einer Ausnüchterungszelle übernachten.

Festzuhalten bleibt auch, dass sich die Parkmoral einiger Herbstfest-Besucher bislang eher in Grenzen hält. Auch am Dienstag mussten wieder fünf Fahrzeuge abgeschleppt werden, die Not- bzw. Rettungswege versperrten oder auf Behindertenparkplätzen abgestellt waren. Mit über 0,50 Promille wurde kurz nach 18 Uhr nahe des Festgeländes ein 51-jähriger Autofahrer aus Feldkirchen-Westerham gestoppt. Ihn erwartet ein Bußgeldverfahren mit Punkten in Flensburg sowie ein einmonatiges Fahrverbot.

Auch im unmittelbaren Umfeld der Loretowiese gab es nach Festende noch Ärger. Dies teilte die zuständige Polizeiinspektion Rosenheim in einer gesonderten Pressemitteilung mit. Los ging es dabei gegen 23.30 Uhr im Bereich der Rechenauerstraße. Als Polizeibeamte dort mit einem Streifenwagen langsam unterwegs waren, legte ein 63-jähriger Mann aus Rosenheim los. Er schrie die Einsatzkräfte völlig anlasslos mit den Worten „Hey, ihr Deppen“ an. Er kassierte ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung.

Dienstgebäude der Polizei „eingesaut“

Der Druck muss wohl sehr groß gewesen sein: Parallel zum Einsatz in der Rechenauerstraße, ebenfalls gegen 23.30 Uhr, verrichtete ein 18-Jähriger aus Ebersberg nämlich seine Notdurft in der Ellmaierstraße. Dumm nur, dass die „eingesaute“ Hausmauer zum Dienstgebäude der Rosenheimer Polizei gehört. Die Polizei hatte deswegen leichtes Spiel und leiteten gegen den mit 1,50 Promille ordentlich alkoholisierten jungen Mann ein entsprechendes Bußgeldverfahren ein. Das Wildbieseln wird in wohl insgesamt 125 Euro kosten. rosenheim24.de hatte über die erhöhten Bußgelder bereits berichtet.

Und kurz nach Mitternacht entwickelte sich dann auch noch am Ludwigsplatz ein sehenswertes „Schauspiel“. Dort sah ein 51-Jähriger aus Söchtenau ein haltendes Auto – und dachte wohl, dass dies für ihn eine gute Mitfahrgelegenheit für den Nachhauseweg sei. Der 51-Jährige öffnete die Beifahrertür und wollte einsteigen. Der 32-jährige Fahrer aus Stephanskirchen war von diesem Vorhaben weniger begeistert. Nach einem Wortgefecht verlagerte sich der Streit auf die Straße, der nun auch mit Händen und Fäusten ausgetragen wurde. Laut Polizei rissen dabei auch etliche Hemdknöpfe ab. Die Beamten gingen dazwischen, beendeten den Boxkampf und leiteten Ermittlungen wegen Körperverletzung gegen beide Streithähne ein.

mw/Polizei Rosenheim

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