Auf Streife:

Unterwegs mit der Polizei auf der Wiesn

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Rosenheim - "Auf eine friedliche Wiesn" war der Wunsch vieler Offizieller zu Beginn des Herbstfests. Wir haben die Polizei einen Tag lang begleitet und erfahren, ob das in Erfüllung ging:

Der Dienst für Martina Sigel und Florian Steiner beginnt am Freitag um 16 Uhr in der Wache im Glückshafen auf der Loretowiese. Das letzte Wochenende des Rosenheimer Herbstfests steht vor der Tür. Wir haben die beiden Polizisten begleitet.

Die Schicht für die Polizeiobermeisterin und den Polizeiobermeister beginnt ruhig. Auf den ersten Runden über den Platz wird sofort klar, dass die Stimmung auf dem Rosenheimer Volksfest alles andere als angespannt ist. Die Beamten blicken in strahlende Gesichter, jung und alt fühlen sich wohl auf der Wiesn. Da ist schon mal Zeit für das ein oder andere Foto mit den Polizisten. Besonders Florian Steiner ist dabei ein beliebtes Motiv. Mit seinen knapp zwei Metern Körpergröße ist er schließlich kaum zu übersehen. "Ich komme aus der Gegend, habe viele Freunde und Bekannte in Rosenheim. Und die trifft man alle auf dem Herbstfest", lacht der Polizeiobermeister.

Freundlich, aber bestimmt

Dr. Walter Buggisch: "Es wird von Wiesn zu Wiesn immer friedlicher"

Die Beamten werden vom Sicherheitsdienst eines der beiden Zelte angesprochen. Im Biergarten sorgt ein Gast bei den übrigen Besuchern für Unruhe. Die beiden Polizisten nehmen den jungen Mann freundlich aber bestimmt zur Seite. Etwas abseits, einige Meter vom Haupteingang entfernt, stellt Florian Steiner die Personalien fest. In den lauten Gesprächen am Biertisch hatten Sitznachbarn den Gast verstärkt über Waffen diskutieren hören, ein Thema, das auf der Wiesn für ein mulmiges Gefühl sorgt, wie auch der Dienststellenleiter der PI Rosenheim, Dr. Walter Buggisch bestätigt: "In der vergangenen Woche ist ein Herbstfestbesucher mit dem Messer auf einen Kollegen losgegangen. Die Polizei konnte Pfefferspray einsetzen, der Mann konnte überwältigt werden."

Florian Steiner durchsucht den jungen Fest-Besucher, keine Auffälligkeiten. Zurück auf der Wiesn-Wache im Glückshafen stimmt der Mann einer freiwilligen Atem-Alkohol-Untersuchung zu. Das Ergebnis: Über zwei Promille. Die Beamten begleiten den Besucher zum Ausgang. Für ihn ist die diesjährige Wiesn vorbei. Er erhält Wiesn-Verbot, so wie insgesamt zehn weitere Personen an diesem Tag.

Wegweiser und vermisste Personen

Zwischen acht und achtzehn Beamtinnen und Beamte verrichten jeden Tag ihren Dienst auf der Loretowiese, je nachdem mit welcher Besucherzahl zu rechnen ist. "Bei uns ist es nach wie vor so, dass die Kollegen im Regelfall nur zu zweit auf Streife gehen. Die Atmosphäre ist hier zum einen noch etwas friedlicher als auf anderen Volksfesten, zum anderen ist es so, dass durch die relativ enge Räumlichkeit innerhalb kürzester Zeit Verstärkungen alarmiert werden können," erklärt Polizeidirektor Dr. Walter Buggisch.

So geht es auch am letzten Wiesn-Freitag relativ ruhig auf dem Festgelände zu. Die Beamten auf Streife sind dabei keinesfalls untätig. Als Wegweiser zum nächsten Bank-Automaten oder den Toiletten, oder auch wenn der Nachwuchs abhanden gekommen ist, die Polizistinnen haben immer ein offenes Ohr für die Besucher auf dem Herbstfest.

Mehr Alkohol, mehr Aggression

Sitzplatz-Rangelei im Bierzelt: Je später die Stunde, desto mehr zu tun für die Beamtinnen und Beamten der Wiesn-Wache

Je später die Stunde, desto häufiger müssen Martina Sigel und Florian Steiner aber einen Schritt zulegen. Mehr Alkohol bedeutet für die Beamten dabei meist mehr zu tun. Angefangen bei der Rangelei um den Sitzplatz im Zelt, über eine bewusstlose Person mit Alkoholvergiftung auf dem Platz, bis hin zu einer handfesten Schlägerei mit einer Platzwunde am Kopf und einer Bissverletzung an der Hand, zu fortgeschrittener Uhrzeit haben die Polizistinnen und Polizisten am Freitag gut zu tun.

"Ich denke, es hat sich in diesem Jahr ein Trend fortgesetzt, den wir alle schon seit zwei, drei Jahren beobachten: Es wird von Wiesn zu Wiesn immer friedlicher", so Dr. Walter Buggisch. Seit 2012 verzeichnet die Polizei beispielsweise bei den Körperverletzungen einen kontinuierlichen Rückgang. Und auch heuer soll sich diese Tendenz weiter fortsetzen. Der Polizeidirektor rechnet mit einem vergleichbaren, möglicherweise sogar geringeren Niveau als im Vorjahr. Die Ursache dafür: Auf der einen Seite die gute Polizeiarbeit seiner Kolleginnen und Kollegen, so Walter Buggisch. Auf der anderen Seite: "Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Leute einfach vernünftiger werden."

Rubriklistenbild: © sl

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