DER GRÖSSTE UND DER KLEINSTE SCHAUSTELLER-BETRIEB AUF DEM HERBSTFEST

Spaß auf 22,5 Quadratmetern

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Peter Sachs machte sich 1979 mit „Hau den Lukas“ selbstständig. Sein Geschäft baute er selbst, denn er war zuvor Bauingenieur. Hoffmann

Rosenheim – 22.000 Quadratmeter ist die Loretowiese groß. Genügend Platz für 69 Schausteller während der Rosenheimer Wiesn. Die OVB-Heimatzeitungen haben das größte und das mit 22,5 Quadratmetern kleinste Geschäft und ihre Schausteller besucht:

David gegen Goliath könnte man zunächst meinen, wenn man sich die beiden Wiesn-Geschäfte ansieht. Während die Achterbahn mit ihren knapp 1000 Quadratmetern Fläche bereits aus der Ferne gut sichtbar ist, entdeckt man den "Hau den Lukas" erst bei genauerem Hinsehen beim Rundgang über die Wiesn. Der Spaß, den beide Geschäfte den Besuchern bieten, dürfte letztlich aber nicht von deren Größe abhängen.

Die Crazy Mouse der Familie Janßen

Die Crazy Mouse ist eine Achterbahn mit Überraschungseffekt. Sie ähnelt der Wilden Maus, überrascht aber mit Drehungen der Waggons um ihre eigene Achse. "Die Gondeln drehen sich frei", erklärt Schausteller Thilo Janßen (30) fachmännisch. "Dadurch hat man bei jeder Fahrt ein anderes Fahrgefühl." 

Die Familie Janßen: Stefanie, Thilo, Emil (v.l.)

Zusammen mit seiner Frau Stefanie (31) und den drei Kindern Paul (9), Jaki (6) und Emil (neun Monate) ist Janßen heuer zum ersten Mal auf dem Rosenheimer Herbstfest. Angerückt ist er neben seiner Achterbahn mit einem großen Autokran, acht Spezialanhängern zum Transport der Bauteile, drei Zugmaschinen, einem 15 Meter langen Personalwagen sowie einem Wagen, der auch ein Kinderzimmer sowie einen Schulraum für Sohn Paul enthält.

Der Aufbau des Fahrgeschäftes dauert zwei Tage, der Abbau eineinhalb. Die sechs Angestellten reisen immer mit. Allein in diesem Jahr ist die Familie Janßen aus Rastede von April bis Oktober auf 15 Volksfesten in ganz Deutschland unterwegs. "So sind wir immer zusammen", freut sich Stefanie Janßen. Ein normaler Familienalltag ist damit möglich. 

Auch im Winter gibt es Arbeit

Wenn die Volksfestsaison vorbei ist, endet damit nicht automatisch die Arbeit: "Im Winter stehen dann die Wartungsarbeiten an." Dazu Thilo Janßen: "Neben der TÜV-Abnahme des Geschäftes vor jeder Veranstaltung steht einmal im Jahr eine Hauptuntersuchung an. Außerdem muss die Crazy Mouse wieder neu lackiert werden."

Das Schaustellerdasein hat bei den Janßens Tradition. "Das waren wir schon immer." Der Beruf wurde den beiden quasi in die Wiege gelegt, das Ehepaar hat sich auch über ihn kennengelernt.

Erst hatten die Janßens ein Funhouse, seit sieben Jahren betreiben sie die Achterbahn. "Ich war mit 23 der jüngste Achterbahn-Besitzer Deutschlands", berichtet Janßen. Ob sie wieder nach Rosenheim kommen wollen? Da müssen die beiden nicht lange überlegen: "Wir finden, das ist das beste Volksfest in Deutschland. Die Menschen sind sehr sympathisch hier."

Vom Bauingenieur zum Schausteller

Ebenfalls gerne in Rosenheim ist Peter Sachs (67) aus Delmenhorst. Er betreibt den "Hau den Lukas". Auch Sachs ist dreifacher Vater, seine Kinder sind mittlerweile erwachsen und nicht im Schaustellergeschäft tätig. "Ich bin da über Umwege hineingerutscht", sagt er, der eigentlich studierter Bauingenieur ist. Über seinen Schwiegervater aus erster Ehe kam er in die Branche, erst als Angestellter, seit 1979 ist er mit dem "Hau den Lukas" selbstständig. 

"Vom Gehalt her muss ich keine Abstriche machen", sagt er. Sein Geschäft hat er selbst entworfen und gebaut – neben dem Rosenheimer Herbstfest ist er derzeit auch noch mit einem Geschäft auf einem anderen Volksfest in Bayern vertreten. "Das betreibt aber schon mein Nachfolger", sagt Sachs, der in vier Jahren in den verdienten Ruhestand gehen möchte. Von März bis Dezember ist er als Schausteller unterwegs. Zeit seine Frau zu sehen, bleibt da wenig.

Wenig Zeit für sich selbst

Sachs hat während der Saison nicht nur wenig Zeit für seine Familie, sondern auch für sich selbst. "Das ist der Tribut, den man zahlt." 13 bis 14 Stunden ist er täglich am arbeiten. Abends gönnt er sich manchmal im Campingwagen einen Schoppen Wein und sieht ein wenig fern. Mit dabei hat Sachs stets sein Motorrad – ein großes Hobby von ihm. "Damit konnte ich vor Beginn der Wiesn noch einen Freund in Österreich und einen am Starnberger See besuchen", erzählt er. 

Wenn er an seine über 30-jährige Erfahrung als Schausteller denkt, dann ist ihm vor allem ein Ereignis bleibend in Erinnerung geblieben: Einmal wollte ein Schotte mit Rock den Lukas hauen. Da kam plötzlich eine Frau vorbei und schaute unter seinen Rock. Und dann entwickelte der keine Schlagkraft mehr. Bei den Zuschauern hat das für ordentliche Belustigung gesorgt.

Am Montag wird es auch für Sachs wieder zum nächsten Volksfest gehen. Während er sechs Stunden zum Aufbau braucht, hat er den "Hau den Lukas" in drei Stunden abgebaut. Dann wird er sein Geschäft auf den Lkw verladen und mit seinem Sattelzug weiterfahren – wie die Janßens von Volksfest zu Volksfest.

Oberbayerisches Volksblatt

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