Einen Abend lang begleitet

BRK auf der Wiesn: Dumme Sprüche als Dank

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Steffi Piezinger und Dominik Narrath

Rosenheim - Wir haben die BRK-Wache auf der Wiesn besucht und die Ehrenamtlichen einen Abend begleitet. Dabei mussten wir feststellen, dass die Helfer oft unbeliebt sind. 

Der kalte Wind, der über das Festgelände weht und auch der wolkenverhängte Himmel halten am Samstagabend die zahlreichen Wiesnbesucher nicht vom Feiern ab. Aus der gesamten Region pilgern die Menschen in Tracht gekleidet zum Rosenheimer Herbstfest. Etwas abseits des Trubels und der Menschenmassen, die sich über das Gelände drängen, befindet sich die sogenannte "Wiesnwache" des Bayerischen Roten Kreuzes.

Es ist 18 Uhr: Für Steffi Piezinger und Dominik Narrath beginnt jetzt ihre Schicht. Die beiden sind nicht so, wie alle anderen zum Feiern auf die Wiesn gekommen. Sie sind gekommen, um den Menschen zu helfen, die beim Feiern etwas über die Stränge geschlagen haben.

Arbeit ohne Bezahlung, aber mit Herz

Sie sind ehrenamtliche Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes und zusammen mit den anderen Mitarbeitern kommen sie nach ihrem Achtstunden-Arbeitstag noch auf die Wiesn, um sich für weitere sechs Stunden ohne Bezahlung um das gesundheitliche Wohlergehen der Besucher zu kümmern. "Wir vom bayerischen Roten Kreuz freuen uns eigentlich jedes Mal auf die Wiesn. Man sieht da die Menschen, die man möglicherweise nur dieses eine Mal im Jahr sieht", erzählt Steffi Piezinger. Dominik Narrath sieht den Dienst für das BRK als Ausgleich zu seinem Bürojob.

An einem Tag wie diesem Samstag, wenn die Menschen in Massen auf das Herbstfest strömen, hat das BRK alle Hände voll zu tun. "An einem solchen Tag haben wir die größte Teamstärke vor Ort", erklärt der Wachleiter Markus Neef. Wegen dem "Italienerwochenende" sind mehr Kräfte im Einsatz als sonst. Insgesamt fünf Laufteams, bestehend aus jeweils zwei bis drei Personen, werden heute benötigt. Auch ein Rettungswagen steht jederzeit für den Ernstfall bereit.

Immer unter Strom

Im Laufteam ist man immer in Bereitschaft, steht immer unter Strom. Die BRK-Leute sitzen an der Wache und warten nur auf einen Moment: Der Moment, wenn das Telefon klingelt. Dann nämlich geht es für eines der Teams zum Einsatz. Doch das kann dauern. In der Wartezeit wird geredet, und vor allem viel gelacht. Dominik Narrath beschreibt das BRK als "eine zweite Familie". Auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen wollen, eine gewisse Anspannung ist da.

Dumme Kommentare für die Sanitäter

Dann ist der Moment gekommen! Für Steffi und Dominik geht es jetzt zum Einsatz. Routinemäßig greifen sie sich ihren Rollstuhl und den Rucksack und bahnen sich den Weg durch die betrunkenen Massen. Was besonders auffällt: Die meisten Feiernden fühlen sich von den Rettungskräften eher gestört. Es hagelt dumme Sprüche auf die Sanitäter herab."Manche verstehen einfach nicht, dass wir da sind, um zu helfen. Von Jahr zu Jahr werden die Leute aggressiver gegenüber uns", berichtet Steffi. Darum sei die gute Zusammenarbeit mit Polizei und Security so wichtig.

Diesmal ist es kein Besucher, um den sich gekümmert werden muss, sondern eine Bedienung aus dem Flötzinger Festzelt. In der Schenke liegt die Frau auf einer Liege, umgeben von ihren Kolleginnen. Die BRK-Leute schreiten sofort zur Tat. Nachdem sie Blutdruck und -zucker gemessen haben, wird die Frau auf dem mitgebrachten Rollstuhl zur Rot-Kreuz-Wache gebracht. Dort wird sie von einem der zwei Ärzte weiter behandelt.

Unnachgiebige Gäste

Kaum ist die erste Patientin stabilisiert, klingelt auch schon wieder das Telefon und der nächste Einsatz beginnt. Das Laufteam wird beim "Bierbichler" gebraucht. Als sie ankommen, liegt eine Frau auf der Treppe zum Obergeschoss. Schnell wird hier ein Kreislaufkollaps diagnostiziert. Ein größeres Problem stellen die unnachgiebigen Gäste dar, und sogar eine Angestellte zeigte wenig Verständnis für die Helfer. Alle drängten darauf, nach oben gehen zu können. Schnellstmöglich werden hier alle nötigen Schritte vom Team übernommen, um die Betroffene aus dem Tumult zur Wiesnwache zu bringen.

Fotos von den Einsätzen:

Mit dem BRK auf dem Herbstfest

Gute Teamstärke

Ganz so harmlos wie diese zwei Fälle laufen aber bei Weitem nicht alle ab. Aus diesem Grund sei auch die psychologische Betreuung der Freiwilligen so wichtig. Nach einem traumatischen Einsatz ist sofort eine Notfallpsychologin vor Ort. Auch die besondere Dynamik im Team hilft dabei, über solche Erlebnisse hinweg zu kommen.

Wenn sie gefragt werden, warum sie all diesen Stress auf sich nehmen, weiß jeder sofort eine Antwort. "Die Arbeit mit den Menschen macht einfach Spaß", sagt Markus Neef. Und auch Dominik Narrath macht das alles "aus Liebe zum Menschen", wie er sagt. "Außerdem ist das doch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung."

Pegah Meggendorfer / Saraida Höfer

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