Wie heißt es richtig: "Maß oder Mass?"

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Rosenheim - Für Dosige und Zuagroaste befasst sich OVB-Autor Armin Höfer ("Vo Ort zu Ort") mit 14 Wiesn-Wendungen. Heute: Maß oder Mass?

"Ah geh weida, dees is doo mia wurschd, wia ma dees iatz auf Houchdeidsch schreibd, Haubdsach, schmegga duads ma, mei Mass Bier", grantelt ein Biertempel-Gast auf dem Herbstfest. Hoidd! Ganz so einfach ist die Frage nach der rechten Schreibung beim Liter Bier nicht abzutun! Man denke nur an die bairischen Schulkinder und deren Eltern und Lehrkräfte, die bei der ss- und ß-schreibung seit der Umstellung 1996 nicht optimal betreut werden. Bis 1996 ließ sich die "Maß" Bier rein theoretisch verschieden aussprechen: Mit langem oder mit kurzem a. So etwas geht seit 1996 nicht mehr. Der "Fluß", gesprochen mit kurzem u, schreibt sich jetzt offiziell als "Fluss"; der "Fuß" dagegen blieb "Fuß", weil das u hier lang gesprochen wird. Somit wäre die Entscheidung zwischen "Maß" Bier und "Mass" Bier bei der Schreibung im Standarddeutschen eigentlich ein Leichtes, wären da nicht unsere Landsleute aus dem "Hohen Norden" und deren Spezln in der Redaktion des Duden! Sie alle beharren auf der Aussprache mit langem a und schreiben daher "Maß".

Zu Recht? Vielleicht kann diese kleine Serie mit einem großen Irrtum aufräumen? Es gibt ja kaum einen Zweifel: Außerhalb der bairischen Sprache existiert das Wort "Maß/Mass" für den Liter Bier gar nicht! Kein Norddeutscher versteht auf Anhieb, was damit überhaupt gemeint ist. Im Norden gibt es ein "kleines" (0,2 Liter) oder "großes" (0,4 Liter) Bier, bei uns vulgo "Breißn-Hoiwe" genannt. Literkrüge sind außerhalb Bayerns in der Regel nicht vorhanden, demnach auch keine sprachlichen "Maßn/Massn".

Wahrscheinlich rührt daher auch die norddeutsche Unsicherheit her, ob es "die" oder "das" Maß/Mass Bier heißt. Unsere Landsleute deswegen zu derblecken, bringt nichts; klären wir sie lieber über die sprachliche Situation auf!

Die Maßeinheit basiert sprachlich auf dem mittelhochdeutschen Wort "diu (= die) maze", das damals tatsächlich mit langem a gesprochen wurde. Mit diesem Wort wird laut Johann Andreas Schmeller - siehe sein "Bayerisches Wörterbuch" - ein "landesübliches (=bayernweites) Schenk-Maß für Flüssigkeiten, namentlich Bier, der 60. Teil eines Eimers" nämlich, bezeichnet.

So weit, so gut! Aber wie steht's nun mit der Quantität des a-Lautes? Ludwig Zehetner schreibt in "Bairisches Deutsch": "Dieses Fem(ininum)... geht in seiner Entwicklung parallel mit 'Straße', bair. 'Strass' mhd. (= entstanden aus mittelhochdeutsch) ,straze'". Also: Wenn mittelhochdeutsche Zweisilbler, die einen langen Vokal vor einem z (gesprochen als ß) in der Mitte haben, zu Einsilblern geworden sind, wird dieser Vokal gekürzt! Es heißt also "die Mass", wobei nach neuer Rechtschreibung das -ss die Kürze des Vokals vermittelt.

Schwoabds oiso engga "Maß" owe, liebe Norddeutsche und Zuagroasde, auch wenn der Duden diese neben der Mass-Schreibung noch erlaubt. Fragt sich nur, wie lange noch! Die Preis/ß-Frage lautet heute: Welche Zeitung hat am 1. September 2007 als erste in Deutschland die Mass-Schreibung eingeführt? Eben!

Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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