Wiesn-Blaulicht: Ohrfeige und Schläge

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Rosenheim - Gleich der erste Arbeitstag verlief für die Wiesn-Beamten ziemlich einsatzintensiv: In einigen Fällen wurden die Polizisten sogar selbst Opfer von körperlichen Attacken.

Um kurz nach 12 Uhr hieß es in den beiden Festzelten auf der Rosenheimer Loretowiese am gestrigen Samstag: „O ́zapft is!“. Und gerade für die Polizei begannen damit wieder 16 lange und wohl auch wieder ereignisreiche Arbeitstage. Die Beamten der Wiesnwache mussten am ersten Tag aber nur bei ein paar Auseinandersetzungen tätig werden und für vier „Stänkerer“ war der erste Wiesnbesuch zugleich auch der letzte - sie bekamen für die kommenden zwei Wochen ein Wiesnverbot ausgesprochen.

Problematischer waren dagegen einige Einsätze, die nach Wiesnende im Stadtgebiet noch anfielen. Wie immer am Eröffnungstag strömten viele Rosenheimer, zahlreiche Gäste aus der Region, aber auch Besucher von weit her auf die Loretowiese. Die Festzelte waren abends gut besucht und bei so viel Gedränge waren dann auch erwartungsgemäß ein paar Auseinandersetzungen und Streitigkeiten zwischen fast immer alkoholisierten Festbesuchern zu schlichten und in wenigen Fällen auch zur Anzeige zu bringen.

Weil ein 35-Jähriger aus dem Landkreis spätabends vom Sicherheitsdienst aus dem Zelt verwiesen worden war, aber heimlich um die Ecke unter der Zeltplane wieder ins Innere geschlüpft war, wurde die Streife der Wiesnwache dazugeholt. Der stark angetrunkene Mann wollte das Festgelände aber nicht verlassen und sollte zur Wiesnwache mitgenommen werden. Auf dem Weg dorthin ohrfeigte er einen Polizeibeamten, was natürlich mit einer Strafanzeige und einem Wiesnverbot „honoriert“ wurde.

Unschön war auch ein Einsatz um 23.00 Uhr am Rande des Festgeländes in der Westermayerstraße: ein 22-jähriger Rosenheimer provozierte zwei Polizisten und „drohte“ ihnen mit einer Anzeige wegen „des Tragens von Schusswaffen“. Bis dahin konnte man das Ganze noch mit einem Schmunzeln abtun. Zu weit ging der junge Mann dann aber, als er die Beamten beleidigte. Seine Personalien wollte er natürlich nicht angeben und stattdessen lieber das Weite suchen. Als er festgehalten wurde, drohte er mit erhobener Faust, so dass ihm Handschellen angelegt werden mussten. Ein Staatsanwalt ordnete eine Blutentnahme bei dem 22-Jährigen an, danach holte ihn seine Mutter auf der Wache der Polizeiinspektion ab. Anzeigen wegen Beleidigung und Widerstandes folgen.

Wie angekündigt, führt die Polizei auch heuer wieder zusammen mit dem Rosenheimer Jugendamt regelmäßig Jugendschutzkontrollen durch. Grundsätzlich ist es natürlich Sache der Eltern zu entscheiden, wie lange ihre minderjährigen Kinder und Jugendlichen außer Haus bleiben dürfen. Aber in Bierzelten und Biergärten auf dem Herbstfest dürfen sich Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nur in Begleitung eines Personensorgeberechtigten oder Erziehungsbeauftragten aufhalten. Jugendliche ab 16 Jahren dürfen ohne Begleitung lediglich bis 24.00 Uhr auf der Wiesn sein. Den Jugendschutzbeamten fielen am ersten Tag bei über 30 Kontrollen nur zwei Minderjährige auf, die zuviel intus hatten und mit zur Wache genommen werden mussten, wo sie von den Eltern abgeholt werden konnten. Die Bedienungen und die Ordnungskräfte in den Schankbetrieben schauen wohl bei den jungen Gästen ganz genau hin, was den Konsum von Alkohol betrifft – gut so.

Ein siebenjähriges Kind hatte im Trubel auf der Loretowiese seine Eltern „verloren“. Die konnten aber schnell ausfindig gemacht werden, weil der Sprössling einen Zettel mit den Kontaktdaten der Eltern dabei hatte. Eine gute Idee und sehr zur Nachahmung empfohlen, wie die Polizei meint!

Der Zulauf in den Gaststätten, Lokalen und Diskotheken der Stadt war am Samstag nach Wiesnende zwar nicht ganz so stark wie erwartet, trotzdem kam es hier zu mehreren Vorfällen. Eine Polizeistreife beobachtete um 1.45 Uhr, dass in der Innenstadt mehrere Personen in Streit geraten waren. Ein junger Mann versuchte am Ludwigsplatz mit einem Tritt einen anderen zu treffen. Als die Beamten hinliefen - die Personen befanden sich zwischenzeitlich schon in der Weinstraße - wiederholte der Täter seinen Fußtritt. Die Polizisten gingen dazwischen und drückten den Angreifer, einen 20-jährigen Rosenheimer, gegen eine Schaufensterscheibe. Weil der sich aber vehement wehrte und befreien wollte, wurde er auf den Boden gedrückt. In diesem Moment kam ein 27 Jahre alter Spezl des jungen Mannes dazu und schlug mit den Fäusten gegen einen der Polizisten, er musste mit Pfefferspray abgewehrt werden und wurde am Boden fixiert. Jetzt schritt der ein Jahr ältere Bruder des 27-Jährigen ein und versuchte seinen am Boden liegenden Bruder zu mit Gewalt zu befreien. Auch gegen ihn setzten die Beamten Pfefferspray ein. Zuguterletzt mussten die Polizisten noch den eigentlich Geschädigteneinfangen, denn der hatte versucht, sich „aus dem Staub zu machen“. Alle Beteiligten wurden zur Polizeiinspektion gebracht. Die drei Aggressoren kamen in Gewahrsam, sie erwarten darüber hinaus Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten, versuchter Gefangenenbefreiung und Widerstandes gegen die Polizeibeamten.

Teuer kam der Herbstfestbesuch einen Italiener. Er wurde um kurz vor 1.00 Uhr in der Kufsteiner Straße mit seinem Pkw kontrolliert. Weil der 19-Jährige mehr als die erlaubten 0,5 Promille intus hatte, musste er für die zu erwartende Geldbuße eine Sicherheitsleistung in Höhe von 525 Euro hinblättern. Die Polizei weist darauf hin, dass speziell zur Herbstfestzeit verstärkt Verkehrskontrollen in und um Rosenheim stattfinden werden. Denn Alkohol und Autofahren vertragen sich nicht!

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Rubriklistenbild: © re

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