Blaskapellen: Atemlos durch 16 Wiesntage

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Leisten mit ihren Musikern Schwerstarbeit: die Kapellmeister Karl Beinhofer (links) und Roland Merk.

Rosenheim - An Tagen wie diesen haben sie Rosis Nummer, fahren mit dem Bob oder fliegen wie ein Flieger: Die Musiker in Festhalle und Zelt! Für sie startete am Samstag ein 16-tägiger Konzert-Marathon!

An Tagen wie diesen haben sie stets Rosis Nummer, sie fahren mit dem Bob, fliegen wie ein Flieger, gehen von daheim für immer fort oder wie die Gauchos. Über den Wolken taufen sie Sterne auf den Namen der Liebsten, es geht ab in den Süden oder auf der Autobahn zur Hölle atemlos durch die Nacht: Die Musiker sind die Stimmungsmacher auf der Wiesn - und das ist Schwerstarbeit. 16 Konzerte am Stück, täglich acht Stunden, fast 130 Stunden insgesamt: ein Musik-Marathon, der an die Substanz geht.

Besonders um ein Stück kommen die Musiker nicht herum: "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer. Zwar gab es bei unseren Lesern einen klaren Favoriten beim Thema Wiesn-Hit, in den Bierzelten sieht die Wirklichkeit aber ganz anders aus: Atemlos  - für die Kapellen eindeutig der Wiesnhit 2014. Da sind sich schon jetzt alle einig, die beiden Kapellmeister Roland Merk und Karl Beinhofer inklusive. Kaum zupfen die Gitarristen Manuel Jackl (Blaskapelle Großkarolinenfeld) und Marinus Keml (Dreder Musi) die ersten Takte - schon steht alles auf den Bänken. Dann geht auf dem Herbsfest die Post ab wie bei keinem anderen Lied. "Deshalb spielen wir es meistens sogar zweimal", sagen Merk und Beinhofer.

Wenn es um die Stimmung in den Bierburgen und die Wiesnhits geht, macht ihnen niemand etwas vor. Für Merk (46, Klarinette und Tenor-Saxofon) ist es die 33. Wiesn mit der Dreder Musi im Flötzinger-Festzelt, die 28. als Kapellmeister. Beinhofer (47, Trompete und Flügelhorn) steht mit der Großkarolinenfelder Blasmusik seit 1983 auf der Bühne der Auerbräu-Festhalle, seit 2001 als Leiter der Kapelle.

Das ist jeden Spätsommer eine kräfteraubende 16-tägige Mission. Könnte man da den Refrain von Wolfgang Petrys Wiesn-Klassiker - "So ein Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?" - auch auf das Herbstfestleben der Musiker umlegen? "Anstrengend is des scho, aber von Hölle kon koa Rede sei - weil‘s einfach narrisch Spaß macht", meinen Merk und Beinhofer mit noch klarer Stimme. Das wird sich in den nächsten Tagen ändern, weil gegen den Lärmpegel in den Bierburgen niemand im Flüsterton ankommt. Die Kommandos müssen geschrien und geplärrt werden - das kratzt mit den Tagen an jedem Stimmband.

Gleiches gilt für die Sänger, die gerade am späten Abend, wenn die Bierburgen beben, zu Hochform auflaufen müssen. Eine dicke Lippe riskieren die Trompeter - wegen der kleinen Mundstücke und des großen Kraftaufwands beim Reinpusten. Andere Bläser haben hingegen schwer zu tragen. Über zehn Kilo wiegt eine Tuba.

Im Unterschied zu den Tourneen von Pop- und Schlagerstars haben weder die Dreder noch die Großkarolinenfelder eine fixe Liedfolge. Wenn sie um 15 Uhr beginnen, wissen die zwei Kapellen nie, wohin die musikalische Reise genau führt.

So reagieren sie flexibel auf die Stimmung im Publikum. Neben vielen Märschen und Polkas haben sie 50 Gassenhauer im Repertoire, darunter kernige Hardrocktitel von ACDC, vor allem aber Stücke aus der deutsch-bayerisch-österreichischen Pop-, Schlager- und Liedermacherszene: von Udo Jürgens, Marianne Rosenberg und Reinhard Mey über Willy Michl, Wolfgang Ambros, Reinhard Fendrich und der Spider Murphy Gang bis zu DJ Ötzi, den Sportfreunden Stiller und - sie darf heuer nicht fehlen - Helene Fischer. Atemlos geht es durch die Musiknacht.

Beinhofers Favorit ist "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen, im Flötzinger-Festzelt hat ein Titel aus dem Inntal jeden Abend ein Heimspiel: "Hey, wo san de Weiber?", komponiert von Georg Kuchler aus Brannenburg, aufgenommen mit seiner Band in der Hinterberger-Klangwerkstatt von Markus Dettendorfer bei Rohrdorf. Der Text stammt von Peter Vordermaier von der Stoabergmusi.

Kurz vorm Wiesnstart studierten beide Kapellen noch ein paar aktuelle Nummern ein. Zuvor haben sie sich unter anderem auf dem Straubinger Gäubodenfest umgehört, was dort so gespielt wurde. Dass Kracher von Hardrock-Bands auf bayerischen Volksfesten gespielt werden - das war in den 70-ern und 80-ern kaum vorstellbar. Damals war ausschließlich urige Blasmusik angesagt.

"Vor 20 Jahren kam dann der Wandel. Da wurde am Abend auf einmal Party gemacht - und wir hatten plötzlich eine E-Gitarrre dabei", erinnert sich Merk. Wie viele seiner Musiker opfert der selbstständige Heizungsbauer für die Wiesnmission zwei Wochen Urlaub. Karl Beinhofer, Technischer Redakteur bei der Prosados GmbH in Rott, hat es da ein bisserl besser: Er bekommt von seinem Chef Leonhard Riedl eine Woche Sonderurlaub geschenkt.

Den hätten sich eigentlich alle Wiesnmusiker verdient. Schließlich sind sie, frei nach Willy Michl und den Sportfreunden Stiller, die Männer mit einem harten Job, die oiwei zünfte aufsspuin und des nonstop. Applaus, Applaus - fur Eure Leistung!

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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