Mit Glück und Geschick auf der Wiesn gewinnen

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Die Kästen im Glückshafen sind gefüllt mit allerlei Krimskrams. Der Hauptgewinn ist attraktiv: ein Roller im Wert von 2000 Euro.

Rosenheim - Kugelbauch und Schafsblick wären nicht gerade schmeichelhafte Merkmale, würde es sich um einen Menschen handeln. Aber ein Schaf kann nicht anders.

Es ist ja nicht der Wert in Euro und Cent, der zählt an all den Buden, wo Geschicklichkeit und Zufall im Spiel sind. Es geht darum, Spaß zu haben, das Glück herauszufordern, sich mit Freunden zu messen, der Liebsten zu imponieren; für sie die rote Rose zu schießen. Die trägt sie erst als Trophäe mit sich herum und vergisst sie nachher im Bierzelt. Für die kleinen Kunden ist alles neu und aufregend, während Erwachsene in die eigene Kindheit zurückkehren, als das Wichtigste im Leben noch die Zuckerwatte und der Sieg beim Dosenwerfen über den Spezl waren.

Lustiger Kugelbauch: Die Schafe sind der Renner.

Aber zurück zum kugelbäuchigen Schaf und zum Stand von Annemarie Zgela. Beim Kugelstechen entscheidet in erster Linie der Zufall über den Erfolg. Blaues Papier verdeckt kreisförmige Löcher in einer Platte, darunter liegen 144 Kugeln, rote, grüne, gelbe und blaue, nur eine einzige ist goldfarben. Genau die muss der Spieler treffen, wenn er durch das Papier sticht, um auf einen Schlag 3000 Punkte zu bekommen. Jeder Versuch kostet 50 Cent. Wer Pech hat, trifft stets rote Kugeln, die nur zehn Punkte bringen. Da wäre es mühsam, die nötigen 45.000 Punkte für den größten Gewinn zu sammeln, den mächtigen König des Dschungels, einen Tiger in Lebensgröße. Da kriegt das Wort "Kuscheltier" eine ganz andere Bedeutung.

Gewiefte Spieler steigern ihre Gewinnchancen, indem sie lange Zeit zuschauen, um zu sehen, mit welchen Kugeln die anderen Punkte holen und ob die goldene schon dabei war. Wenn alle Kugeln "gestochen" sind, wird der Kasten mit 144 Kugeln wieder aufgefüllt. Wieder deckt das blaue Papier alles ab. Neues Spiel - neues Glück.

Viele spielen schnell mal nebenbei, aber Annemarie Zgela hat auch Stammkunden, die jedes Jahr wiederkommen. Manche waren schon als Kinder da und können heute als Erwachsene gar nicht anders: Für sie gehört das Kugelstechen einfach zur Wiesn. Seltenheitswert hat die Beständigkeit des Preises. Vor 20 Jahren kostete ein Stich eine Mark - heute sind es 50 Cent.

Am Glückshafen, wo Lose für einen Euro zugunsten der Waisenhausstiftung verkauft werden, herrscht meist fröhliches Gedränge. Immerhin ist hier ein Roller im Wert von 2000 Euro der attraktive Hauptgewinn. Auch etliche Fahrräder verlocken zum Loskauf. Bis zu 800.000 gehen in jedem Jahr über die Theke, jedes vierte ist ein Gewinn.

Donat Steindlmüller vom städtischen Ordnungsamt ist in der Wiesnzeit Mitarbeiter der Glückshafenverwaltung. Den Glückshafen kennt er schon seit seiner Kindheit. Sich selbst nennt er lachend den "größten Unglückspilz". Er kann nur staunen, wenn manch ein Kunde mit einer Handvoll Lose eine Handvoll Gewinne abräumt.

Stark ausgebaut wurde in den letzten Jahren der Jugendschutz. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nur noch in Begleitung der Eltern ihr Glück versuchen. Dies hat, so Steindlmüller, zu einer paradoxen Situation geführt. Er darf einer Gruppe 16-Jähriger keine Lose verkaufen. Bier dürfen sich die Burschen und Mädchen in den Zelten aber nach Belieben bestellen.

Wer nicht auf sein Glück vertrauen möchte, kann seine Geschicklichkeit beim Dosenwerfen oder Schießen probieren, beispielsweise am Schießstand von Annemarie und Dieter Zettl. Für Kinder bieten sie Haltevorrichtungen für die Gewehre an, um ihnen das Treffen zu erleichtern. Damit "schießen die Kinder wie die Weltmeister", zugleich ist die Sicherheit gewährleistet.

Keiner geht hier mit leeren Händen. Wer nicht trifft, bekommt einen süßen Lutscher - oder eine rote Plastikrose. Und wenn die zum Schluss im Bierzelt liegenbleibt, ist das auch kein Problem. Morgen gibt's ja wieder neue.

ch/bi/Oberbayerisches Volksblatt

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