Herbstfest ganz digital

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Ins Internet einwählen, Fotos verschicken, eine Nachricht schreiben: Für die Jugend ein Muss auf der Wiesn.

Rosenheim - Sich auf der Wiesn verabreden, Fotos machen und Spaß haben ohne Handy? "Unmöglich", sagen Ivonne (18) und Birgit (17) aus Kolbermoor.

Ohne ihre I-Phones ist für die zwei Freundinnen ein Herbstfestbesuch unvorstellbar. Vielen Gleichaltrigen geht es genauso. Die Rosenheimer Wiesn ist zwar auch im Jahr 2012 ein Stück Tradition geblieben - aber auch längst ein Teil der digitalen Welt geworden.

Es geht hoch her auf dem Rosenheimer Herbstfest - und plötzlich ist der Akku ihres SmartPhones leer: Für Ivonne und Birgit wäre das "eine einzige Katastrophe". Aber das kann ihnen ja gar nicht passieren, denn das Aufladen der Geräte vorm Wiesnbesuch ist für sie genauso selbstverständliches Pflichtprogramm wie ein fesches Outfit. So sitzen sie gegen 18.30 Uhr auf der Rampe am Autoscooter, haben nur Augen für die Bildschirme ihrer Handys. Sie klicken und chatten, simsen und posten, telefonieren und laden herunter, was ihre Internet-Handys und die Netze hergeben.

Ab ins Körbchen: So ist das Handy sicher vor einem Absturz.

Nur 100 Meter Luftlinie östlich sitzt Birgits Opa in einer anderen - seiner - Welt ohne digitales Netz. "So ein Schmarrn", grantelt er, "zum Treffpunkt-Ausmacha brauch i doch koa Handy und scho gar koa Internet", grantelt er, während er in der Auerbräu-Festhalle seine zweite Mass stemmt. Um "hoiwe sechse" hat er sich mit seinen Spezln am Eingang der Ochsenbraterei getroffen - und es klappte ganz ohne Chatroom und GPS. Vereinbart wurde der Treffpunkt ganz altmodisch von Festnetztelefon zu Festnetztelefon - und das schon drei Tage vorher.

"Mag sein, aber so läuft das bei uns nicht mehr", sagt Jan (17), Schüler am Karolinengymnasium, der sich in den Ferien als Mitarbeiter im Wiesn-Fundamt am Haupteingangstor ein paar Euro dazuverdient. "Zehnmal geht das übers Handy locker hin und her, bis schließlich feststeht, wer sich wann und wo mit wem trifft", klärt der Rosenheimer darüber auf, wie zeitgemäßes Verabreden läuft.

Ob gepostet, gechattet, gesimst oder telefoniert wird - das hängt von den Verträgen und vom Netz ab. Der eine telefoniert lieber, weil er noch über Freiminuten verfügt. Der andere verschickt lieber Nachrichten, weil er eine SMS-Flatrate hat - und ist damit zumindest in den Biertempeln im Vorteil, wo der Lärmpegel am Abend so hoch ist, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.

Beliebte Wiesn-Kontaktbörsen sind auch Sozialnetzwerke wie Facebook. Michaela (21) aus Bad Aibling greift dagegen gern auf die "WhatsApp" zurück, über die sie kostenlos Nachrichten verschickt. Aber das funktioniert nur, wenn die Internetverbindung steht. Am Samstagabend war das nicht der Fall. "Da ist das Netz komplett zusammengebrochen", erinnert sich Michaela.

Ein bis drei Exemplare der hochmodernen Touchphones landen nach Schätzungen von Jan im Wiesn-Fundamt. "Die meisten davon sind zersprungen, aber noch funktionsfähig", berichtet er. Weil die Geräte ein kleines Vermögen kosten, immer kleiner und zerbrechlicher werden und deshalb leicht aus der Hosentasche fallen, spielen sich an den Kopfüber-Fahrgeschäften kleine Tragödien ab. Jeden Tag kommt es ein paar Mal vor, dass die bis zu 600 Euro teuren I-Phones 50 Meter in die Tiefe stürzen. "Die sind alle kaputt", sagt Michael Götze vom "Rocket". Dabei müsste das gar nicht sein. Große Hinweistafeln weisen in drei Sprachen auf das Risiko für Handys hin und am Geländer auf der Bodenrampe wurden extra bunte Körberl angebracht, in die man die Telefone legen kann - ein Service, den auch Natalie Aigner am "Parcours" ihren Fahrgästen bietet.

Welch große Rolle digitale Medien und Netzwerke beim Wiesn-Publikum spielen, zeigen die Zugriffszahlen der Wiesn-Seite des OVB-Medienhauses im Internet. Die Marke von zwölf Millionen Zugriffen aus dem Vorjahr auf die Adresse www.herbstfest-rosenheim.de wird man heuer wohl noch übertreffen. Allein die Fotostrecken um die Miss Herbstfest wurden bis jetzt über zwei Millionen Mal geklickt. Die Seite hat schon 16 000 Facebook-Fans, auf die Bilder der Webcam greifen täglich über 5000 Menschen zu, die Webcards und Videos wurden jeweils rund 40 000-mal aufgerufen, die Herbstfest-App über 3000-mal heruntergeladen.

Aber so modern die Welt auch geworden ist - und noch werden mag: Die Wiesn selbst wird es nie zum Downloaden oder Herunterladen geben. Sie ist einzigartig. Man muss sie sehen, schmecken, riechen, spüren, genießen. "Darauf ein Prost!", lacht Birgits Opa.

Alles zur digitalen Wiesn auf www.herbstfest-rosenheim.de Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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