Hinter den Kulissen des Herbstfests

Die guten Seelen am Herbstfest

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Michael Hummel und sein Team vom BRK auf dem Rosenheimer Herbstfest
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Rosenheim - Sie versorgen alle großen und kleinen Probleme rund um das Festgelände auf der Loretowiese. Die guten Seelen des BRK. Der Bereitschaftsleiter im Gespräch.

Egal ob eine Wasserblase wegen zu enger Haferlschuhe oder ein Herzinfarkt. Michael Hummel, der Bereitschaftsleiter des Bayerischen Roten Kreuz auf dem Herbstfest in Rosenheim, und seine Mannschaft kümmern sich um alle kleinen und großen Probleme der Wiesn-Besucher. Das bemerkenswerte an der Geschichte. Sie tun es alle freiwillig und ohne Bezahlung.

"Wir sind hier alle Sanitäter mit Fachdienstausbildung", erklärt Michael Hummel im Gespräch mit rosenheim24.de. Wer "Sani" auf dem Rosenheimer Herbstfest werden will, muss zuerst ungefähr 230 Stunden in unterschiedlichen Kursen und Ausbildungen verbringen. "Das spricht für Qualität", ergänzt Hummel mit einem Schmunzeln. Doch nicht nur in personeller Hinsicht ist des Rote Kreuz auf der Loretowiese gut aufgestellt. "Vom Pflaster bis zum 12-Kanal-EKG" bietet die "KVB-Praxis" unter dem Riesenrad alles, was die Einsatzkräfte zur Behandlung verschiedenster Verletzungsbilder brauchen. "Ab 18 Uhr ist zudem jeden Tag mindestens ein Arzt vor Ort", fügt der Bereitschaftsleiter hinzu. Am mittleren Wiesn-Wochenende sind es dann sogar zwei. Nicht selten ist dann auch ein Notarzt mit an Bord.

Ehrenamtliche Hilfe zum Nulltarif

Zwischen 12 und 28 Kräfte tuen ihren Dienst im Zeichen des Roten Kreuzes. Wie viele dabei an welchem Tag zum Einsatz kommen, ist stark unterschiedlich. "Besonders an den Wochenenden sind es mehr", erklärt Hummel. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre könne man jedoch recht gut einschätzen, wann es zu sogenannten Ballungszeiten kommen könne. So wurde sogar eigens eine Software zur Erfassung und Auswertung aller Fälle der letzten Jahre entwickelt, die so recht genau das Aufkommen von Spitzen in der Belastung der Einsatzkräfte vorhersehen kann.

Knapp über 800 Fälle haben Michael Hummel und seine Kollegen in diesem Jahr auf dem Herbstfest bereits versorgt. "Wir rechnen bis zum Ende mit um die 900, vielleicht etwas wenig wegen des schlechten Wetter", so der Bereitschaftsleiter. Innerhalb von maximal fünf Minuten erreichen die Sanitäter jeden Notfall auf dem Rosenheimer Herbstfest. Nach der Alarmierung durch Polizei, Sicherheitsdienste, Schausteller oder Wiesn-Besucher wird sofort ein sogenanntes "Laufteam" losgeschickt, das die Versorgung des Patienten vor Ort übernimmt. Meistens wird der Verletzte dann erst einmal in eine ruhigere Umgebung gebracht. "Hier auf unserer Wache haben wir zum Beispiel 8 Liegeplätze", erklärt Hummel die Kapazität der beiden Container der BRK. Wenn es nötig ist wird der Patient dort weiter behandelt, bis er dann schließlich von einem Krankenwagen abgeholt wird. "Länger als eine Stunde bleibt im Regelfall keiner bei uns liegen", fügt Hummel hinzu.

Die Motivation der Helfer aus allen Berufsgruppen

Das Team von Michael Hummel setzt sich aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammen, die alle ehrenamtlich und ohne Profit ihren Dienst auf der Wiesn verrichten. Unter ihnen ein Logistiker, ein Mechaniker, eine Studentin und eine Chemie-Laborantin. Michael Hummel selbst ist Physiotherapeut. Auf die Frage, warum sich mancher Kollege für den Dienst auf dem Herbstfest sogar von seiner Arbeit beurlauben lässt, erwidert der Bereitschaftsleiter mit einem Lächeln: "Weils einfach Spaß macht!". Auch der Kontakt mit allen anderen, die auf dem Herbstfest arbeiten müssen, egal ob Security, Polizei, oder Schausteller und Budenbetreiber entschädige für die Mühen, die man manchmal über sich ergehen lassen müsse. "Wie eine große Familie" fasst ein anderer Sanitäter die Beziehung zu Kollegen und den Leuten, die man mittlerweile meistens sogar schon seit Jahren kenne, zusammen. "Ich finde es toll, dass man ganz oft mit relativ kleinen Dingen oder geringem Aufwand Anderen helfen kann", erklärt eine dritte Kollegin.

Was es noch zu verbessern gilt:

"Sicher muss über die Rettungswege noch nachgedacht werden", antwortet Michael Hummel auf die Frage nach möglichen Verbesserungsvorschlägen. Manche Besucher verhielten sich ab und an "sehr unkooperativ" gegenüber den Rettungskräfte, "die doch einfach in diesem Moment nur helfen möchten", erklärt Hummel. So würden Zufahrtswege zugestellt, immer öfter trete man den Ersthelfern mit gesteigerter Aggression entgegen. "Zum Glück halten uns hier die Polizei und die Sicherheitsfirmen sehr gut den Rücken frei", ergänzt der Bereitschaftsleiter, wenn er sich auch manchmal ein wenig mehr Verständnis und weniger Selbstverständlichkeit für die Tätigkeit seiner Leute wünsche.

Über die Kosten muss sich niemand Gedanken machen. "Wer Hilfe braucht, muss nichts bezahlen", erklärt Michael Hummel. "Wir stellen unsere Dienste dem Veranstalter in Rechnung." Wer sich selbst einmal ein Bild von den Aufgaben und den Leistungen der ehrenamtlichen Retter auf dem Herbstfest in Rosenheim machen möchte, kann jederzeit an der Wache unter dem Riesenrad vorbeischauen. Michael Hummel und sein Team freuen sich auf jeden Besuch. Und auch im kommenden Jahr werden er und seine "Sanis" wieder für alle großen und kleinen Probleme da sein. Unauffällig und im Hintergrund.

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